Donnerstag, 1. Oktober 2009

Filmriss Teil 7 a)

Schorf

7

Es ist kurz nach neun Uhr Morgens, ich sitze während ich auf Bollo warte, auf den Stufen eines Bankgebäudes, über meinem Kopf in einem riesigen Fenster hängt ein Plakat.
Darauf zu sehen ist die typische Bilderbuchfamilie. Sie ist blond und wunderschön mit einnehmendem Lächeln, er dunkelhaarig mit blauen Augen, sie halten beide ein Kind umarmt, blond und blauäugig und so absurd niedlich, dass ich darüber nachdenke einen Pflasterstein aus dem Gehweg zu kratzen um ihn in die Fratze dieser kleine Werbehure zu werfen. Über der Familie des Jahres steht: „Sorgen sie für sich und die, die ihnen wirklich wichtig sind. Werden sie Schuldenfrei, noch heute. Günstige Kredite für ein sorgenfreies Leben.“. Angewidert drehe ich mich wieder nach vorne und starre die Straße entlang und halte Ausschau nach dem Auto meines Freundes.
Immer mehr Menschen gehen an mir vorbei und lassen es sich nicht nehmen mich detailliert zu begutachten, als wüssten sie ganz genau, dass ich gestern sagen wir mal, einen Totalausfall hatte. Die Gedanken an den vorherigen Tag und vor allem Abend, schiebe ich so weit weg von mir wie nur möglich, ich starre jetzt den Leuten die mich angaffen ebenfalls ins Gesicht und merke wieder wie ich sinnlos aggressiv werde. Ich bin kein gewalttätiger Mensch und komm mir jetzt nicht mit der Weinflasche und Chris, ich steigere mich nur gern in etwas rein, es befriedigt mich auf eine perverse Weise wenn ich mich über jemanden aufrege, weil das gleichzeitig bestätigt das ich anders und besser bin als das Ziel meines Hasses.
Warum gaffen die Vollhonks mich alle so an? Na gut, ich bin sehe vielleicht ein bisschen fertig und vergammelt aus, meine Haare sind fettig und mein Jackett dreckig und voller-… oh fuck.
Ich stehe von den Stufen auf und gehe so nah mit meinem Gesicht an die Jungenfratze, dass ich aussehen muss wie ein Pädophiler der grade sein Äquivalent zu Scarlett Johansson erblickt hat. Endlich erkenn ich mein Spiegelbild schwebend über dem Gesicht des Jungen in der Scheibe. Mein ganzes Kinn ist von Blut verkrustet, Blut klebt an meinen Wangen und auf meiner Stirn zeichnet sich eine riesige Beule ab. Verdammt. Ich hab vergessen mich im Revier zu waschen, kein Wunder das die ganzen Affen so glotzen, ich sehe aus, als hätte ich mein Gesicht heute Morgen in einen Ventilator gehalten.
Ich will gerade überlegen wie ich wohl an einen Wasserhahn und einen Spiegel komme, als mir jemand sanft mit den Fingern in die Seite sticht. „Hey, Benny, wie …“ beginnt Tanja die Höflichkeitsfloskel, als ich mich umdrehe und sie den Unfall entdeckt der mal mein Gesicht war. „Oh Gott, wie siehst du denn aus?“. Ich schaue sie genau an, nicht fähig ein Wort herauszubringen. Sie sieht umwerfend aus. Sie war nie die dünnste aber das steht ihr höllisch gut, sie hat lange gelockte fast schwarze Haare, ist sogar kleiner als ich, 1,65 m und hat wenn sie lächelt eine Ausstrahlung die mich um den Verstand bringt. Ich sehe ihre kleine Narbe am Kinn, die hat sie von einem Schwimmbadunfall, als ein Junge sie auf den Beckenrand geschubst hat, das hat sie mir bei unserer ersten Verabredung erzählt.
Bitte nicht sie und nicht jetzt. Ich blicke aus Selbstschutz auf den Boden.
Seit sie die Scheidung eingereicht hat ist sie meiner Meinung nach noch hübscher geworden. Ist das nur, weil ich sie nicht mehr haben kann? Oder ist sie einfach glücklicher seitdem sie mich nicht mehr am Hals hat und wirkt daher attraktiver, ich weiß es nicht, ich glaube beides.
„Hallo? Ist alles okay?“. „Hey, weißt du was“ sage ich mit zitternder Stimme und den Blick starr auf meine Schuhe fixiert, „das funktioniert gerade nicht. Lass uns wann anders sprechen.“. Ich stecke meine Hände in die Taschen meines Jacketts und gehe an ihr vorbei. „Warte doch mal, bleib doch mal stehen, was ist denn los?“. Sie hält mich sanft am Arm. Ich fange mich emotional ein wenig, atme tief durch und beschließe ehrlich zu sein, manchmal ist das der beste Weg, meistens eigentlich. „Tanja, dass ist gerade der denkbar schlechteste Zeitpunkt für mich um genau mit dir zu sprechen.“ Ich lächele ein wenig.
„Was ist denn passiert?“ fragt sie erneut, als wenn sie nicht gehört hätte was ich gerade sagte. „Ach, wir waren nach der Beerdigung noch was trinken und da gab es ein bisschen Zoff mit ein paar anderen Typen“ man kann nicht immer ehrlich sein „nichts Weltbewegendes. Aber danke für deine SMS, hat mich sehr gefreut“ ich lächele wieder. Sie beäugt mich mehr als kritisch, wenn jemand weiß wie gut ich lügen kann, dann sie. „Aha, du siehst aber echt schlimm aus, warst du im Krankenhaus?“. „Bin ich gerade auf dem Weg hin, Bollo holt mich ab und fährt mich hin.“ „Kommst du gerade erst aus der Kneipe oder was? Dir klebt immer noch überall Blut im Gesicht, ich würde mich an deiner Stelle eh erstmal waschen bevor ich ins Krankenhaus gehe.“
„Mach ich, mach ich, aber Hübsche, ich muss jetzt echt los“. Als ihre Augen größer werden realisiere ich, was ich gesagt habe. Jetzt ist es zu spät sich dazu noch zu äußern. Ich ziehe einen imaginären Hut und gehe die Straße runter, in die Richtung aus der Bollo kommen müsste. Sie bleibt hinter mir zurück und sagt nur leise „Machs gut“.


Es ist Samstag. Ich habe meine Ausbildung bereits begonnen und überstehe das ganze nur mit regelmäßigen Besäufnissen am Wochenende. Wir treffen uns alle bei Chris zum Start einer Kneipentour. Die Jungs haben alle schon gestern ordentlich getrunken und sind dementsprechend angeschlagen. Ich musste gestern bis 22 Uhr arbeiten und war daher nicht in der Lage zu feiern und bin umso heißer das alles heute nachzuholen.
Ich freue mich tierisch auf die Kneipentour. In unserer kleinen Stadt hat man keine Wahl wenn man etwas erleben will. Das Rock on hat mittlerweile geschlossen und niemand hat großartige Lust in die nächste größere Stadt zu fahren, also klappern wir alle Kneipen im Umkreis der Reihe nach ab.
Als ich bei Chris ankomme ist die Gruppe um einiges größer als erwartet. Ein amerikanischer Austauschschüler namens Henry, aus Christians und Davids Schule, soll die deutsche Saufkultur kennen lernen. Da Austauschschüler, vor allem Amerikaner, sich immer sehr großer Beliebtheit erfreuen, ist dadurch die Gruppe immens angewachsen. Aus geplanten sechs Leuten sind nun zwölf geworden. Unter den mir unbekannten Menschen sind auch zwei Frauen die sich intensiv um Henry kümmern, ihm alles übersetzen und erklären.
Ich schnappe die Namen der beiden Mädels auf, Tanja und Jasmin, allerdings weiß ich nicht, wer wer ist.
Ich setze mich mit einem frisch geöffneten Bier an den großen dunklen Holztisch im Palweißschen Esszimmer. Da ich mich nun ein bisschen Fremd fühle und nicht genau weiß was zu tun ist um das so genannte Eis mit den Fremden zu brechen, setzte ich mich neben Bollo und beginne mich mit ihm zu unterhalten. Wir sitzen am Ende des Tisches dem Rest der Gruppe gegenüber. Er und ich hatten immer ein Talent dazu uns abzukapseln und in dem Makrokosmos der Gruppe einen Mikrokosmos unserer eigenen Gesprächsrunde zu erschaffen.
Während ich genussvoll die ersten Schlücke Bier trinke, genau genommen die halbe Flasche, sehe ich mir die beiden Mädels genauer an. Eins der Mädels wirkt unglaublich sympathisch, sie lächelt viel und hat einfach eine offenherzige Ausstrahlung. Die andere Dame sieht nicht so glücklich aus.
Sie setzt sofort ein künstliches Lächeln auf wenn sie jemand anspricht, nickt und lacht an den richtigen Stellen, aber sobald ihr niemand mehr Aufmerksamkeit widmet, schaut sie aus als wäre sie jetzt am liebsten überall anders, nur nicht hier. Wie um sich selbst abzulenken schaltet sie sich immer wieder in das Gespräch mit dem Austauschschüler ein, auch da nicht ohne die gespielte gute Laune. Ich bin erstaunt davon, wie gut sie einfach umschalten kann. Es ist als würde man beim Fernseher den Sender wechseln, dort läuft gerade Grease und zack, auf dem anderen Sender Schindlers Liste.
Langsam wird mir mein Beobachten unangenehm und ich wende mich wieder voll dem Gespräch mit Bollo zu, welcher mir gerade sein Unverständnis darüber mitteilt, das ein Amerikaner so gottverdammt interessant sei. Tatsächlich hat sich jegliches Gespräch an dem länglichen Tisch kegelförmig auf Henry ausgerichtet. Alle außer Bollo und ich, welche ihm gegenübersitzen, folgen den Ausführungen Henrys und schauen in seine Richtung.

Als ich drei bis vier Biere geleert habe fassen alle den Entschluss, dass es jetzt an der Zeit sei loszuziehen und die Tour offiziell zu starten.
Wir gehen in mehreren dreier Reihen die Bürgersteine und Straßen in Richtung der ersten Kneipe entlang. Einige, welche schon früher bei Chris waren als ich, sind schon ziemlich angesoffen. Ich reihe mich ganz rechts bei Leppert und Chris ein und höre mit dem ihnen abgewandten Ohr Walkman. Während mir Me First and the Gimme Gimmes ihre Coverversion von Walking on Sunshine in Mono, ohne den charakteristischen Bass vorspielen, trinke ich immer wieder den Schaum von meiner halben Liter Flasche Wolters ab. Ich mag Bier, wirklich und vor allem Flaschenbier, aber es ist nicht dafür gemacht um es in Bewegung zu trinken.
Mal abgesehen davon, dass es sich bei uns eh gerade eingebürgert hat, dass man mit seinem Flaschenboden auf die Öffnungen der Flasche des Gegenübers schlägt, um ihn aufgrund des Übersprudelns zum Trinken zu animieren, ist es echt ätzend Flaschenbier als Wegproviant zu benutzen. Dafür sind Dosen um einiges besser geeignet.
Ich öffne meinen Mund und will gerade meine Gedanken verbalisieren, als Leppert auf die vor uns gehenden Mädels welche Henry in ihrer Mitte haben zeigt und sagt: „Ist jetzt eine von denen mit dem Ami zusammen?“ „Eine von denen?“ fragt Chris verständnislos. „Na ja, wie sagt man das, die sind doch beide-…ähm… spaltbares Material, da darf man sich doch mal erkundigen.“ „Nein, sind beide nicht mit ihm zusammen, obwohl sich angeblich was zwischen ihm und Jasmin anbahnt.“.
Ich lausche dem Gespräch und versuche mir immer noch klar zu machen, welches Mädchen welches ist. Fragen kann ich nicht, aus Angst mir würde vorgeworfen ich würde mich speziell für eine der Beiden interessieren. Und das ist natürlich Quatsch ich bin bei beiden gleich neugierig.
Hm, Jasmin klingt südländisch, dunkelhaarig sind beide aber keine sieht südländischer als die andere aus.
„Ich hasse diese Stadt, guckt euch das an, es ist Samstagabend und hier ist keine Sau!“ Leppert beginnt eine Rede zu halten, welche mich dezent an Mel Gibson in Braveheart erinnert. Er spricht davon wie unsere kleine Industriestadt aussterben wird, wie alle Studenten wegziehen, weil wir keine Uni haben, wie hier dann nur noch ungebildete Proleten rum rennen und das es jetzt an uns ist, noch ein paar Jahre Leben hierher zu bringen. Wir müssten im Jugendzentrum selbst lokale Bands einladen, unsere Freunde überreden nicht immer zum Feiern wegzufahren und vor allem regelmäßig herkommen, falls wir wegziehen. Das sei unsere Stadt, steigert er sich da ein bisschen rein und das solle, müsse sie auch bleiben. Er erkennt selber die Melodramatik in seiner Rede, springt unelegant auf eine Parkbank an welcher wir vorbei kommen und ruft „Und jetzt Säufer, saufen wir!“.


Ich sitze mit Bollo oben auf einem Aussichtshügel über unserem Ort, nachts wird das hier nicht ohne Grund Bumsparkplatz genannt. Auf der Fahrt hierher haben wir kaum gesprochen, Bollo sitzt neben mir auf der Bank und dreht gerade die Tüte fertig. Er hält mir den durch jahrelange Übung perfekt gedrehten Joint hin und ich zünde ihn an.
Ich ziehe kräftig, atme tief ein und wieder aus, der Luftzug erinnert mich wieder Schmerzhaft an den abgebrochenen Zahn. Rauch steigt vor uns auf. Ich bin Nichtraucher und schon allein der Tabak macht meinen Kopf schwer, die Wirkung des Ganjas tut ihr übriges. Als ich die Tüte an ihn weiterreiche schaut Bollo mich lächelnd an. „Alter, du siehst so fertig aus, hättest dich auch kurz bei mir waschen können“. „Ach, jetzt ist auch egal.“.
Wir sitzen wortkarg nebeneinander. Wir haben, wie für Männerfreundschaften üblich, nie über unsere Gefühle gesprochen oder ähnliches. Ich weiß, dass er sich um mich sorgt und das ist seit Tagen das beste was mit passiert ist, egal wie viel Scheiße ich baue, Bollo hat mich immer irgendwie verstanden.
Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen, meine Zunge ist nicht zuletzt durch das THC ein bisschen gelockert, außerdem erscheint mir die ganze Situation jetzt nicht mehr ganz so Katastrophal. „Hat Lepperts Familie noch irgendwas gesagt? Wegen meinem…“ ich suche das richtige Wort „… Malheur?“. Er beginnt zu grinsen, so wie jemand grinst, der zwar gleich auf den elektrischen Stuhl kommt aber noch einmal einen richtig guten Witz zu hören bekommt. So eine Art Galgenhumor.
„Malheur? Du bist gut, ich würde es ein Desaster nennen.“ Er gibt mir wieder den Joint. Ich atme tief ein und antworte mit gedrückter Stimme: „Was kann ich denn dafür, wenn der Pfarrer aussieht wie der letzte Idiot und dabei auch noch mit Filmzitaten um sich schmeißt“. Er schaut mich kurz verwirrt an und antwortet dann auf meine ursprüngliche Frage. „Begeistert waren sie verständlicher Weise nicht, am angepisstesten war aber mit Abstand Chris, die Familie und so, die waren mehr verwirrt und schockiert“. Das sitzt. Mein schlechtes Gewissen kommt wie eine Dampfwalze zurück und fährt durch meine Eingeweide. „Ja, das mit Chris hab ich mitbekommen“. Wieder schaut mich Bollo fragend an, aber diesmal auf eine Antwort wartend. „Was glaubst du denn warum ich so fertig aussehe?“. „Ich dachte du hast dich mit den Bullen in die Haare bekommen?!“. „Aber erst nachdem Chris und ich…-… aneinander geraten sind.“.
Ich erzähle Bollo, wie ich nach meinem Abgang von der Beerdigung zur Bank bin, 120 Euro abgehoben habe und dann anfing durch unsere alten Stammkneipen zu ziehen, wie mich Christian im Irish Pub fand und von der Prügelei.
Ich überlege kurz ob ich die Lambruscoflasche unter den Tisch fallen lasse, aber das erfährt er früher oder später sowieso. Seine Augen werden größer, als ich ihm erzähle wie ich vor hatte Chris die Flasche über den Kopf zu ziehen und er nimmt einen tiefen Zug, die Tüte ist nun fast aufgeraucht. Als ich mit dem Erwachen im Polizeirevier ende, schaut er mich leicht grinsend an, er hat leicht gerötete Augen von dem Joint und das erste Mal merke ich wie alt er geworden ist. „Was ist denn nur mit dir los?“ fragt er mich direkt. „Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Die Ereignisse haben sich irgendwie überschlagen, die Sache mit Tanja, Lepperts Tod, die Beerdigung. Das ist mir alles außer Kontrolle geraten.“. Er sieht mich lange an, er weiß genauso wenig was er dazu sagen soll wie ich und sagt dann: „Ich glaub ich bau noch einen oder?“. Ich horche kurz in mich hinein, ich bin eigentlich schon viel zu dicht. „Ja, gute Idee.“



Der Abend rast an mir vorbei. Wir sind bereits im vierten Laden, es ist gerade eins geworden und die ersten Opfer sind zu beklagen. Der Amerikaner Henry, welcher übrigens auf alle außer Bollo einen netten Eindruck gemacht hat und dieser mag ihn nur nicht, weil er kaum ein
Wort Englisch spricht, geht zusammen mit einigen anderen der unbekannteren Gesichter nach Hause.
Wir haben ihn abgefüllt wie es sich gehört. Inklusive einiger Späße auf seine Kosten. Es ist einfach sau lustig wenn jemand mit amerikanischem Akzent eine Kellnerin fragt: „Haben sie einen dicken Schwanz?“. Vorpubertär? Ja, aber zum wegschmeißen komisch.
Zurückgeblieben ist nun meine geliebte Dreiergruppe inklusive der beiden Mädels, die ich mittlerweile auch namentlich zuordnen kann. Außerdem hab ich herausgefunden, dass Jasmin, die Dame die anfangs so sympathisch wirkte, ein ziemlich von sich selbst überzeugte Tante ist, mit der man nicht länger als vier Minuten sprechen kann, ohne danach den Drang unterdrücken zu müssen sie zu erwürgen.
Sie war ebenfalls Austauschschülerin, aber in Amerika und schmückt ihre Sätze mit englischen Wörtern um ihre Multilingualität zu unterstreichen. „Vor allem die ganzen Boys in Los Angeles sind mehr als nur cute, wirklich sexy Kerle da drüben, kein Vergleich zu deutschen Männern.“ . Oh Gott, ja so machst du dich bestimmt beliebt an einem Tisch mit vier Typen.
Ich schlage vor mal einen Kurzen dazwischen zu schieben, worauf mit einem dummer Kalauer und geeintem Kopfschütteln geantwortet wird. Nur Tanja, welche mir auf einmal gegenüber sitzt und bei der nur noch Schindlers Liste gezeigt wird, fragt mich was ich denn trinken wolle. „Jägermeister? Tequila? Mir egal.“. Sie entscheidet sich für Jägermeister und bestellt zwei. Ich bemerke, dass Chris ziemlich fertig aussieht, er nippt immer noch an seinem ersten Bier in diesem Laden und wirkt mehr als nur müde. David ist schon ziemlich voll, für seine Verhältnisse nichts besonderes, nur neigt er auch dazu gerne mal früher zu gehen. Selbst Bollo macht einen sehr angeschlagenen Eindruck und langsam erfasst mich die Angst, dass die vielleicht bald alle nach Hause wollen.
Ich haue Chris leicht meinen Ellbogen in die Seite und fordere ihn auf Schnaps zu trinken, damit der Motor auf Touren kommt. Er lehnt grunzend ab.
Pünktlich zum eintreffen des Jägermeisters, sagt Chris, dass das nun sein letztes Bier (immer noch sein erstes) sei, heute würde da nicht viel gehen. Und die Lawine geht los. David stimmt zu das er sich auch gleich auf den Weg machen würde und Bollo bekommt so noch seinen letzten Bus, welcher auch in Jasmins Richtung fährt (und hoffentlich bis durch in die Hölle). Ich versuche es mit einem letzten Appell: „Das ist doch jetzt nicht euer scheiß Ernst oder? Ich freu mich den ganzen Tag aufs Saufen und ihr macht um eins schlapp, während ich gerade mal angeschlagen bin. Komm bisschen geht doch noch. Bollo kannst auch bei mir pennen…“ er schüttelt sofort mit dem Kopf „… ich hab keine Lust alleine weiter zu trinken und aufhören will ich auch nicht.“.
„Zähle ich nicht? Ich will auch noch nicht nach Hause.“. Ich schaue blinzelnd Tanja an. „Dann lass doch die anderen People nach Hause gehen, wenn sie meinen, dass sie nicht mehr können.“ Hat sie gerade Jasmin verarscht? Ich traue meinen Ohren nicht. Ich lächele sie an und halte ihr meinen Jägermeister entgegen. „Ich bin dabei“. Wir stoßen an und während ich den pisswarmen Kräuterschnaps trinke, sehe ich den verwirrten Blick Jasmins, die zwar kapiert hat das sie gerade nachgeäfft wurde, aber keine Ahnung hat wie sie darauf reagieren soll.


Wir haben die zweite Tüte beinah ohne zu sprechen geraucht. Nachdem sie abgebrannt ist fragt mich Bollo was ich jetzt vorhätte. „Duschen steht ganz oben auf meiner Liste“. „Ich meine wegen den Lepperts und Chris“, sagt Bollo ernst. „Ich hab keine Ahnung man, nicht die geringste. Kann man sich für so etwas bei den Angehörigen entschuldigen?“. „Kann ich dir nicht sagen, ich wüsste nicht wie“ nimmt er mir die letzte Hoffnung. „Hast du Urlaub?“ frage ich. „Ja schon, wieso?“. „Wir könnten bei mir zwei drei Bier trinken heute Abend oder noch was rauchen. Vielleicht einen Film gucken?“. „Nee, ich muss das ganze erstmal verdauen, werde nichts machen, ich fahr dich gleich zu deiner Karre und dann geh ich wieder pennen.“
Ich will heute nicht alleine sein, kann ihm das aber auch nicht sagen, wie wirkt denn das? Außerdem sagte er schon, dass er alleine sein will, also würde ich mich nur aufdrängen wie ein weinerlicher Idiot. Dennoch wird mir mehr als unwohl bei dem Gedanken alleine in meiner neuen Wohnung zu sitzen.
„Stimmt schon, bisschen pennen würde mir auch gut tun.“ Sage ich mit einem gespielt lockeren Ton.



Fortsetzung (das Kapitel geht noch weiter) folgt...

1 Kommentar:

  1. Es wird interessanter ;)
    Warte auf den nächsten Teil!

    LG Hagi

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