Mittwoch, 21. Oktober 2009

Unruhe


---Warnung, extremes Gejammer folgt---


Ich liege seit einer Stunde und 50 Minuten in meinem Bett und verfolge, dank dem hereinbrechenden Mondlicht, ein Muster in meiner Raufasertapete bis an die Decke. Ich schließe die Augen. Ich konzentriere mich auf die Stimme von dem Synchronsprecher von Robin Williams, welcher mir aus Terry Pratchetts „Ab die Post“ vorliest.
Ich höre schon seit ich denken kann zum einschlafen Hörspiele. Von den Ampelmännchen, über He-Man, bis zu den alten John Sinclair Hörspielen. Mit zunehmendem Alter kamen auch Hörbücher dazu.
Der Synchronsprecher von Brad Pitt (Tobias Meister), Christian Ulmen oder der über jeden Zweifel erhabene Joachim Kerzel haben mir schon beim Einschlafen geholfen und mich trotzdem unterhalten. Ich versuche mir bildlich vorzustellen was mir vorgelesen wird, nach zwei bis drei Minuten schweif ich gedanklich ab. Die Katze schmiegt sich an meine Waden und ich verfluche sie dafür, dass sie problemlos schlafen kann.
Ich öffne wieder die Augen, ich nehme einen Schluck Wasser, drehe mich um und schaue auf die rot leuchtenden Zahlen meines Radioweckers. 2:32 Uhr. Ich mach erneut die Augen zu. Ich wühle mich in mein Laken in eine bequeme Liegeposition und versuche an nichts anderes zu denken als das Hörbuch zu verarbeiten. Mein Kopf möchte lieber über andere Dinge nachdenken. Den bevorstehenden Umzug, das Älterwerden, die Frage nach der Existenz einer Gottheit, was man noch so schreiben könnte, Frauen (sehr penetrant), Freunde, Sex, die persönliche Zukunft, den Tod, vor allem seine Unausweichlichkeit (ebenfalls extrem penetrant), Filme, Bücher, meine Faulheit, was man noch erledigen müsste, was ich nicht erledigt habe und auch nicht mehr kann usw. Der Kopf steht nicht still und ist unnachgiebig. Er bohrt immer tiefer und springt wie eine kaputte Schallplatte von Gedanke zu Gedanke.
Scheiße! Ich habe erneut den Faden verloren. Ich konzentriere mich wieder auf Robin Williams. Ich sehe ihn vor mir, mit seinem gutmütigen Gesicht, welches Grimassen zieht, wenn er die Stimme verstellt um andere Charaktere zu sprechen und mir weiterhin vorliest. Ich konzentriere mich. Ich konzentriere mich darauf mich zu konzentrieren. Genau hinhören -.
Ein Autoproll fährt, mit seinem getunten Golf 3 oder was auch immer, mit 70 durch die Dreißiger-Zone unter meinem Fenster. Jetzt habe ich die letzten zwei Sätze verpasst. Bin wieder raus. Die Augen gehen wie automatisch auf. 2:58 Uhr. Die Zeit rast, das Pensum was mir noch zum Schlafen bleibt schrumpft und schrumpft. Um 5:45 Uhr klingelt mein Wecker. Wenn ich in den nächsten zwanzig Minuten nicht einschlafe mach ich durch.

Das geht jetzt schon seit Tagen so. Von heute auf morgen. Ich habe eine Nacht durchgemacht, da hatte ich noch frei, damit ich wieder in den Schlafrhythmus eines Menschen komme, welcher in der Lage ist soziale Kontakte zu pflegen. Das ging richtig schief. Ich habe es zwar geschafft durchzuhalten, habe mich um 0 Uhr, nach einem ca. 37 stündigem Wachmarathon, ins Bett gelegt und war fest davon überzeugt mindestens bis 13 Uhr zu schlafen. In dem Moment als mein Kopf das Kissen berührte war ich schon eingeschlafen (ich wollte schon immer einen Satz von King klauen). Um 3 Uhr war ich wieder wach. Seitdem schlafe ich pro Tag drei bis vier Stunden. Meistens mittags, wenn ich mich kaum noch wach halten kann. Danach ist wieder für 25 Stunden Schluss. Heute mache ich die sieben Tage mit diesem seltsamen Rhythmus voll. Ich kann mir nicht helfen, auch wenn es typisches Gejammer ist, ich mach mir langsam sorgen. Normal, geschweige denn gesund, ist das ja wohl nicht.
Leute neigen dazu, wenn sie von ihren Schlafproblemen sprechen maßlos zu übertreiben. Mehr als mein Wort kann ich leider nicht geben, aber das sei hiermit getan, das ich weder über noch untertreibe. Ich schlafe seit sieben Tagen maximal 4 Stunden pro Tag/Nacht. Ich weiß nicht, ob das der schleichende Wahnsinn ist, welcher mich nun endlich erreicht und nicht mehr nur an meine Tür kratzt oder ob ich bei meinem 37 Stunden Marathon irgendwas kaputt gemacht habe. Auf jeden Fall, hänge ich jetzt mal wieder hier. Es ist 3:36 Uhr und ich habe mich entschlossen wach zu bleiben und diesen ganzen Kram mal runter zu schreiben. Wieso? Keinen Plan, keinen blassen Schimmer. Ich hab einfach das Bedürfnis zu Jammern denk ich. Außerdem habe ich ernsthafte Sorgen, ob das alles so tutti ist wie das läuft. Ein anderer Grund ist, dass ich mich mit was anderem als Filmriss „warmschreiben“ wollte, wenn man so will.

Ich sitze hier, mit meiner eisgekühlten Cola Light (deren Koffein mir hoffentlich hilft durch den Tag zu kommen) und der „schlechten Laune-Playlist“, welche gerade Burt Bacharach mit „What the World needs now“ spielt und frage mich was die Kacke soll. Ich hoffe und glaube, dass sich das irgendwann einfach wieder einrenkt und normalisiert.
Die Problematiken sind die Folgen des geringen Schlafes, welche gerade mich als Menschen der eigentlich lange und viel schläft, besonders hart treffen. Meine Konzentration ist jetzt völlig im Eimer, was dazu führt das ich weder einen Buch lesen, einen Film vernünftig schauen oder etwas schreiben kann, was ein wenig Struktur erfordert und nicht rein assoziativ ist wie dieser Müll.
3:47 Uhr. In zwei Stunden geh ich Duschen und fahre los. Jedes mal wenn ich gähne, überlege ich mich sofort ins Bett zu schmeißen, meinen Kopf in das Kissen zu drücken und mit aller Macht versuchen zu schlafen. Ich weiß aber, dass es Sinnlos ist. Es geht nichts mehr, wie man beim Roulett sagt. Heute gewinnt mal wieder die Bank. Danke Morpheus.

In diesem Sinne. Sorry fürs Jammern und guten Morgen

KaZper

Kommentare:

  1. Krasse Sache, ich würde gerne weniger pennen, damit man mehr vom Tag hat. Vielleicht solltest dich damit abfinden das dein Körper nur 3,5h schlaf braucht, und ich glaub schneller als du magst pennst du wieder den ganzen Tag^^ Umso härter man probiert verkrampft zu schlafen, desto weniger klappt es. Kann das leider, bzw. zum Glück, nicht nachvollziehen. Wenn das so bleibt, entweder jeden Abend Bier trinken oder Tütchen rauchen, ist auch gut zum einschlafen :) Zum Arzt gehen kann man auch noch wenns gar nicht mehr geht.

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  2. Wenn du schreibst, das wäre nur assoziatives Gebrabbel, muss ich dir widersprechen.
    Zugegeben, es ist assoziativ, aber der kurze Text zieht einen, bzw. mich, merkwürdig in den Bann.

    Mit anderen Worten, mehr assoziatives Gebrabbel, das ist eindeutig eine stärke von dir.

    Was das Einschlafen angeht, Kamillentee und Masturbation sind eine tolle Kombination.

    Hmm, hoffe ich hab jetzt nicht zuviel gesagt...

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