Samstag, 2. Januar 2010

Filmriss Teil 10 b)

Ein Chor von betrunken Stimmen welche „Alt wie ein Baum“ singen, ist was ich höre, als ich langsam erwache. Mein Nacken ist verkrampft und schmerzt von der harten Holzbank, auf der ich in Jessicas Wintergarten ein kleines Power-Nickerchen abgehalten habe. Mir gegenüber sitz Leppert und grinst breiter als jede Katze aus dem Wunderland es jemals könnte. „Hey, siehst ja frisch wie ein Frühlingsmorgen aus.“ Als ich versuche zu antworten, bemerke ich erst wieder das ich ja total voll bin. Statt einer pfiffigen Retourkutsche, dringt aus meiner Kehle ein leicht blubberndes Stöhnen.
Nachdem ich mich aufgesetzt habe und erfolgreich verhindern konnte den Wintergarten voll zu kotzen, sammelt sich mein Sprachzentrum langsam wieder. Mit noch nicht ganz offenen Augen frage ich: „Wie spät?“. Leppert lässt sein Handy erleuchten. „Kurz nach Drei. Wir haben übrigens wie immer alles richtig gemacht. Der Wodka ist leer und die Hälfte der Assis hier sind schon nach Hause.“ Ich stütze die Arme auf den Tisch vor mir und lege den Kopf in meine Hände. Ich atme wieder tief durch um klarzukommen, als ich aufblicke schiebt mir Leppert ein weiteres Bier zu, welches mit dem Kondenswasser an der Flasche, viel zu verlockend aussieht um es nicht zu trinken. Während ich trinke, stößt mich Leppert unter dem Tisch mit dem Fuß an und flüstert mir ein „Jetzt machen wir dir mal was klar“ zu.
Ich schaue ihn nur verdutzt an und halte ihn für völlig Wahnsinnig, weil ich keinen blassen Schimmer habe was das bedeuten soll. Er schaut angestrengt auf das Etikett seiner Flasche und sagt: „Meinst du echt das sie so toll ist? Ich mein sie ist ganz niedlich aber du redest ja von ihr als wäre sie Julia und du Romeo.“ „Was zur …“ öffne ich meinen Mund als mich Tanjas wunderschöne Stimme, welche hinter mir erklingt unterbricht: „Wer findet wen toll?“. Trotz meiner Trunkenheit wird mir klar was Leppert vorhat. Ich trete ihn so fest ich kann gegen sein Schienbein, aber er zuckt nicht einmal.
Mit einem süffisanten Lächeln sagt er: „Oh Hi, also ich kenn jemand ziemlich betrunken, der findet dich glaub ich ziemlich toll. Zumindest redet er seit Ewigkeiten nur von dir.“ Ich werde schlagartig rot und starre nun selbst starr auf meine Flasche, ansehen kann ich sie jetzt auf keinen Fall. Mein Hirn versucht an einem Plan zu arbeiten das Dilemma irgendwie abzulenken. Keine Chance, bin zu betrunken und kann nur daran denken wie gern ich Leppert jetzt mit meiner Faust in sein grinsendes Gesicht schlagen würde. Ich würde erst aufhören auf ihn einzuprügeln wenn…“ Oh, okay.“ Sagt sie ohne das ich fähig wäre das irgendwie zu interpretieren. Ich bin gefickt und nicht auf die gute Weise. „Och Ben, nun sag doch auch mal was, eben warst du auch nicht so mundfaul“ Du bist Tot Leppert, Mausetot, wenn ich dich erwische…“ Was hast du denn gesagt?“ fragt sie mich sanft und legt mir dabei eine Hand in den Nacken. Ich erschaudere angenehm unter ihrer Berührung.
Ich hab keine Wahl, Flucht nach vorn. Alle zurückgelegten Brücken abbrennen. Was hab ich zu verlieren? Jetzt ist eh alles im Arsch. Und wenn ich schon abtrete dann mit einer Pyro-Show. Kein Platz mehr für Feigheit, kein Raum für Scham. Ich drehe mich um und sehe sie an. Ich schau in ihre Augen. Ich glaube einen Moment lang, dass ich das einfach nicht kann, kein Wort rausbekommen werde. Dann spreche ich wie von alleine, noch während der ersten paar Worte steht Leppert auf und lächelt wissend auf mich herab, während er uns alleine lässt.
Ich sage mit auf einem Minimum reduziertem betrunken Nuscheln:
„Ich hab gesagt, dass du wirklich wunderschön bist. Ich mein, ich weiß das das kitschig und abgedroschen ist, aber das ist das was mir einfällt wenn ich dich ansehe. Nicht das ich dich geil finde, obwohl ich lügen würde, wenn ich sagen würde das ich das nicht tue,..“ was zur Hölle sage ich da? „…sondern das du schön bist. Hübsch. Meinetwegen Atemberaubend, um endgültig jedes Klischee zu erfüllen.“ Okay, ich kann nicht aufhören, naja, dann mal weiter in den Gegenverkehr, Gaspedal durchdrücken. „Versteh mich nicht falsch, dass ist kein Angebot oder eine Frage, weil ich weiß das zwischen uns nichts sein wird, es sei denn du bist komplett geschmacksverirrt und wahnsinnig. Aber du hast mich nun mal gefragt und ich Antworte. Tanja du bist eine Person die mich wahnsinnig macht. Ich kann nicht aufhören dich anzusehen. Wenn du lächelst und ich mein dein ehrliches Lächeln, möchte ich aufschreien, weil es mit das tollste ist, was ich je gesehen habe. Das ist so wunderbar ehrlich und deshalb so hübsch. Auch wenn das jetzt klingt als wäre ich ein oberflächlicher Typ, dem einfach nur dein wunderhübsches Äußeres gefällt, muss ich das verneinen.“ Jetzt kann ich sie nicht mehr anschauen, ich blicke wieder auf das Bier, dessen Etikett ich nebenbei abkratze. “ Ich weiß nicht ob man sagen kann das ich dich liebe, aber verknallt bin ich in jedem Fall. Wenn nicht in dich, in wen denn dann sonst? Noch nie hat mich jemand so sehr beeindruckt. Du bist ein faszinierender Mensch und bedeutest mir in der kurzen Zeit, die ich dich erst kenne mehr als ich gedacht habe, dass mir jemand bedeuten kann.“
Sie sagt kein Wort, sie hat mich zwischendurch ein paar Mal versucht zu unterbrechen, aber ich habe einfach weiter gesprochen. Ich Idiot. Fast eine Minute vergeht, eine Minute in der ich sie nicht ansehen kann und niemand ein Wort sagt. Ein letztes Mal versuche ich meinen Mut zusammenzukratzen, aber es ist keiner mehr da. Im Film müsste ich jetzt versuchen sie zu küssen.
Ich schaue langsam hoch. Suche noch nach einem kleinen bisschen Chuzpe in meinem Inneren, um zu vollenden was ich begonnen habe. Ich schau ihr in die Augen. In ihrem Blick liegt eindeutig Rührung, mehr kann ich nicht erkennen. Ich atme tief durch. Und trinke dann den gesamten Rest des Bieres auf ex.
Ich stehe auf, flüstere leise ein: „Gute Nacht“ und bewege mich Richtung Haustür. Auf dem Weg zu meinem gerade erst bekommenen ersten Auto, suche ich die Gegend mit meinen Augen nach Leppert ab. Keine Spur.
Ich setze mich auf den Beifahrersitz meines cremeweißen Citroens. Kurbele ihn weit runter, schalte das Radio ein, setzte mir die Sonnenbrille auf die auf dem Armaturenbrett liegt, lehne mich zurück und schließe die Augen. Alles was ich denke ist: „Fuckfuckfuckfuckfuckfuckfuckfuckfuckfuckfuck….“

Fortsetzung folgt

Amn. d. Autors: Ich muss mich wieder langsam rantasten, also gibts erstmal Häppchen.

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