Sonntag, 21. Februar 2010

Präventiver Nachruf

Hm, schwierig das Ganze. Hier mal ein sehr sehr persönlicher Beitrag aber irgendwie muss ich dazu was schreiben. Und ich muss das auch im Internet veröffentlichen. Warum? Ich habe wirklich nicht die geringste Ahnung.
Ich hab einfach nur den Drang dazu was zu schreiben und wieso sollte man etwas schreiben wenn es niemals jemand liest? Wäre völliger Unsinn. Also raus damit. Emotionaler Ausverkauf, persönliche Vollprostitution mit allem was dazu gehört. Wie Vormittags im Fernsehen.
Was ist überhaupt los? Eigentlich eine Lappalie, etwas was ständig überall passiert und worüber schon tausende von Menschen gejammert, geheult und geschluchzt haben und sich ebenso viele lustig gemacht.
Die Katze mit der ich 17 Jahre lang aufgewachsen bin wird sterben. Ich mein, dass sie das wird ist klar, werde ich auch, werdet ihr und selbst Obama wird irgendwann die Lichtung des Pfades erreichen. Für meine (nicht besitzergreifend gemeint) Katze wird sich wahrscheinlich Morgen die Welt aufhören zu drehen. Kein Angst, hier kommt jetzt kein "sie war wie eine Schwester", "sie war mir total wichtig", "sie war ein Teil der Familie" Kram.
Das trifft zwar alles zu, ist aber überflüssig zu sagen und vor allem abgedroschener als Last Christmas im Dezember. Ich möchte mich viel mehr einfach damit auseinandersetzen und ein paar Gedanken über dieses Wesen artikulieren, welches für mich schon immer Bestandteil meines Lebens war.
Ich meine, sie ist 17 Jahre alt, ein gutes, weites Alter für Hauskatzen und hat es natürlich immer gut gehabt.
Aber schon da fängt es an. Hat sie es denn immer gut gehabt?
Wir haben sie nie geschlagen, missachtet, schlecht behandelt oder ähnliches.
Wir haben sie nur eingesperrt.
Ich habe sie als ich Acht war, von einem Bauernhofurlaub mitgebracht.
Ich habe sie von ihrer Familie weggerissen und in eine Wohnung eingesperrt. Warum? Aus Egoismus. Weil ich eine Katze haben wollte.
Wir lebten in einem Mehrfamilienhaus im zweiten Stock, mit einer relativ viel befahrenen Straße davor.
Keine Chance das sie raus durfte. Wir haben auch nie eine Katzenleine in Erwägung gezogen, weil das ja so albern aussieht. Also haben wir ein Tier, welches keinerlei Probleme hatte, in keiner Notsituation oder ähnlichem steckte, aus seiner gewohnten Umgebung und vor allen Dingen Freiheit gerissen, nur um sie in unsere vier Wände zu sperren.
Ich bestreite nicht das es ihr gut ging bei uns. Aber ging es ihr besser, als es ihr in der freien Natur ergangen wäre?
Diese und solche Fragen stelle ich mir. Dabei landet man zwangsweise beim Egoismus des menschlichen Geistes. Morgen werden wir entscheiden, dass sollte es ihr nicht besser gehen, wir sie einschläfern "damit sie sich nicht quält".
Wie töricht, wie unverschämt, einfach diktatorisch.
Dennoch wird es so sein. Weiß ich denn das sie damit konform gehen würde? Natürlich nicht.
Weiß ich das es ihr besser geht wenn sie tot ist? Da muss man fast lachen, geht es ihr überhaupt noch irgendwie? Wenn sie ein menschenähnliches Bewusstsein hätte, würde sie überhaupt die von uns gepriesene Erlösung wollen?
Also warum wird sie eingeschläfert? Weil WIR nicht sehen wollen wie sie sich quält.
Genauso wie das, das schlimmste an ihrem Tod ist, dass ihre Existenz für UNS damit endet.
WIR wollen nicht, dass diese Katze stirbt, weil WIR dann keine Katze mehr haben. Das ändert nichts an meinen vorhandenen Gefühlen für dieses Tier und der emotionalen Bindung. Dennoch hinterlässt es einen bitteren Beigeschmack.
Was will ich eigentlich? Ich will glaube ich nur auf meine Weise Abschied nehmen und mich damit auseinandersetzen.
Es geht hier nicht um einfaches Rumgeheule. Mir ist durchaus bewusst, dass sehr viele Menschen täglich mit viel Schlimmerem zu tun haben.
Ich weiß auch, dass es hier nur um ein Haustier geht und ich schreibe nur und meine nur. Weil es einfach zum "Haben" eines Haustieres gehört, dass es irgendwann stirbt. Das ist der gesamte Prozess des Besitzen von Haustieren. Außerdem ist mir die geringere Wertigkeit des Leben eines Haustieres mehr als bewusst. Es wäre extrem scheinheilig von mir als Fleischfresser und möchtegern Zyniker, dass ganze jetzt auf eine andere Ebene als den Tod einer einfachen Katze zu heben. Und obwohl mir das alles geistig vollkommen klar ist und sich daran auch nichts ändern wird. Sieht das emotional eben anders aus. So ist das nun mal und so geht das allen die ein sterbendes Haustier haben.
Es geht hier nicht darum Trauer zu artikulieren, sondern sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen. Wirklich um ein Haustier in der Öffentlichkeit zu trauern, würde ich mir niemals anmaßen. Es gibt soviel schlimmere Dinge und so viele Menschen die schwerere Lasten zu tragen haben, dass es albern wäre hier zu sitzen und bei der Internetgemeinde über eine tote Katze zu flennen.
Vielmehr ist das ein Akt der Selbstheilung. Nicht zuletzt der Realisierung des situativen Kontextes. Alles nur ein bisschen Palaver zur Selbsttäuschung.
Die ist hiermit abgeschlossen.
Jeder der das liest darf sich gerne ausgenutzt fühlen.

Nachtrag:
Nicht mehr präventiv
Ruhe in Frieden

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