Dienstag, 25. Mai 2010

Happy Birthday Kazper



"...ich wollt noch soviel machen
jetzt ist der Tag schon aus
so viele wichtige Sachen
heut nicht, ich bleib Zuhaus..."
Rainald Grebe - Es ist gut



Das vertraute Ploppen der Staropramenflasche, welche ich mir am Wochenende an dem ich den Rest der Flaschen trank extra für jetzt aufbewahrte, ist ein beruhigendes Geräusch. Ein leckeres Geräusch, wenn es das gibt. Vielleicht ist das auch nur ein weiterer Schritt in Richtung Alkoholismus, vielleicht auch nicht.
Gerade sind andere Dinge wichtiger.
Ich bin seit 29 Minuten 25 Jahre alt.
Dieser Blog wurde kurz vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag gegründet, dafür das er schon vier Jahre existent ist, wurde hier verdammt wenig geschrieben. Aber das brauch mir nicht peinlich sein, die Anzahl der Leser dürfte ähnlich überschaulich sein, wie die der bisherigen Einträge.
Irgendwie verbinde ich meinen Geburtstag mit diesem Blog, keine Ahnung warum, aber seit der "Eröffnung" kehren an jedem Geburtstag meine Gedanken hierhin zurück. Nun möchte ich mir selbst in diesem Blog zum Geburtstag gratulieren. Nicht um alle darauf aufmerksam zu machen das ich Geburtstag habe, damit mir möglichst viele Leute gratulieren, sondern weil ich ein ziemlicher Egomane bin. Ich schreibe am liebsten über mich selbst.
Das klingt arrogant, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist die Wahrheit.
Am einfachsten fällt mir das Schreiben wenn ich über mich schreibe oder über irgendwas, was in meinem kleinen Universum das Fünfundzwanzig-Jähriges feiert, stattfindet.
Diese Glückwunschkarte die ich mir schreibe, wird keine "oh ich bin bald dreißig und quasi schon tot, ich will wieder fünfzehn sein" Karte, obwohl auch das in meinen Gedanken kreist.
Ich will mich einfach mal ordentlich selbst beglückwünschen, einfach nur weil man das manchmal brauch. Eine Daseinsberechtigung des eigenen Handelns erteilen und sich vergewissern das der Kurs den das eigene Leben nimmt, so unbestimmt er auch sein sollte, trotzdem noch stimmt.
Auf "Ja ich will!" gehts weiter





Also Kazper - oder werden wir lieber persönlich - Also Sonne: Herzlichen Glückwunsch.

Aber wozu beglückwünsche ich Sonne eigentlich?
Wenn man es mal allgemein betrachtet, sieht das mit meinem Freund Sonne folgerndermaßen aus:
Er ist stark Adipös, wird immer seltsamer und auch immer mehr zu einem Nerd. Sonne hat seit mehr als drei Jahren nicht mehr gearbeitet, seine Ausbildung war umsonst, da er nun erstmal sein Abi gemacht hat (wahrscheinlich), damit aber auch noch nichts so recht anzufangen weiß. Sonne hat seit vier Jahren keine Frau geküsst und vor sechs Jahren zuletzt mit einer geschlafen. Er sitzt auch ziemlich viel Zuhaus, hängt viel vor dem Rechner, ist vielleicht Alkoholiker und hat in letzter Zeit auch noch andere Rauschmittel für ihn entdeckt. Zudem ist er stark misanthropisch veranlagt, launisch und teilweise ungesund zynisch. An seinem Geburtstag um mittlerweile 0:50 Uhr hat er nichts besseres zu tun, als allein in seinem Zimmer zu sitzen, vor dem Rechner auf der Tastatur rumzuhacken und dabei Bier zu trinken.
Ja, allgemein betrachtet wirkt das jetzt eher suboptimal und nicht wie etwas, zudem man jemanden beglückwünschen müsste. Insbesondere nicht zu seinem Geburtstag, höchstens das er ihn trotz seiner masochistischen Lebensweise noch erleben darf.

Aber an alle, die ihn nur so sehen und er weiß, dass es einige davon gibt, Menschen die es sich nie trauen würden ihm das so zu sagen. Die die meinen ihn einigermaßen zu kennen und glauben sie könnten sich das Recht herausnehmen, so oder ähnlich über ihn zu denken, denen zeigt er einfach nur seinen ausgetreckten Mittelfinger. Er ist euch nicht wirklich böse, aber ein gepflegtes Fuck You kann er sich auch nicht verkneifen.

Ihr macht euch das viel zu einfach.

Natürlich sitzt er gerade allein vor seinem Rechner, dass tut er aber weil er es möchte.
Er hat nicht viele Freunde (und es drohen auch ständig weniger zu werden), wenige gute, aber das sind diese Freunde der Kategorie Optimus Prime. Leute zu denen er vollstes Vertrauen hat. Wie für Männerfreundschaften üblich, redet man natürlich nicht über irgendeinen Gefühlskram. Warum auch? Würde keinem was bringen. Aber er weiß, dass er jeder Zeit darüber reden könnte.

Das sind Menschen, wie sie der "gemeine Diskoproll", der in seinem Golf GTI durch die Gegend fährt und mit seiner Festanstellung bei VW am Band sein Leben lang zufrieden ist, nie haben wird. Nicht auf dieser Ebene, da dieser Proll nicht dazu fähig wäre, eine solche Freundschaft zu erkennen, selbst wenn sie ein Klavier auf ihn wirft.
Es geht da nicht um adjektive wie "dumm". Es geht viel mehr um einen Wertekodex, um Prinzipien, Selbstreflektion und Empathie, die die Stereotype des eben beschriebenen Menschens nicht empfinden kann. Vor allem geht es um Natürlichkeit. Damit ist weniger das gemeint, was ein Mann über eine Frau sagt die seine Kumpels hässlich finden er aber nicht " die ist halt natürlicher". Dabei geht es um das Gegenteil von Affektiertheit, um das Gegenteil von Schauspielerei. Um Ehrlichkeit und das damit verbundene einander kennen. Das ist alles so kitschig das Sonne fast die Galle hochkommt, aber es ist die Wahrheit.

Also kann man Sonne zu seinen Freunden definitiv beglückwünschen, obwohl das weniger seine Leistung, als die der erwähnten Wegbegleiter ist.
Außerdem ist er meistens verdammt nochmal glücklich. Er fühlt sich wohl in seiner neuen WG, versteht sich gut mit seinen engen Verwandten, hält sich selbst für intelligent und alle vorher beschriebenen negativ Faktoren sind natürlich kleine Nadelstiche im eigenen, teilweise sehr zerüttetem Selbstbewußtsein, tendieren ihn aber entweder nur peripher oder werden in wohliger Resignation ertränkt. Zugegeben, diese Resignation schmeckt ein bisschen bitter, versalzt aber nicht die ganze Suppe.
Was bleibt also übrig von den gesellschaftlichen Glücksindikatoren wie Beruf, Familie, Wohlstand?
Nicht viel. Aber ein allzu großes Problem hat Sonne damit auch nicht. Seine Lebensauffassung ist eine, die möglichst wenig Arbeit beinhaltet, oder allgemein eine die versucht Tätigkeiten die ihm keinen Spaß machen auf ein Minimum zu reduzieren. Nicht (nur) weil er Faul ist. Das liegt nahe, wäre aber zu einfach. Sondern weil ihm Bewußt ist, dass seine Lebenszeit begrenzt ist und auf ein unaufhaltsames Ende zu läuft, welches jeder Zeit eintreten kann und er nicht vorhat, diese Zeit nicht für ihn persönlich, zum eigenen Wohfühlbefinden zu nutzen. Und beim eigenen Wohlfühlbefinden stehen Dinge wie "Arbeiten und eine erfolgreiche Berufslaufbahn" ganz unten auf der Liste.
An diesem eigenen Kurs, bei dem vielen nur die Wörter Wort Hartz 4 und fauler Drecksack einfallen, weil sie so rein GAR NICHTS, also wirklich nichts verstanden haben, hält er immer noch fest und dafür will ich ihm auch gratulieren. Das ist definitiv seine Leistung.

Gratulation auch zur Herausbildung eines eigenen Charakters. Das klingt total albern und man muss dabei aufpassen nicht in die selbe Schublade zu rutschen in der die "Mädchen" sind, die sagen sie wären keine typischen "Mädchen" und dabei die typischten "Mädchen" von allen sind. Sonne, genieß einfach Segen und Fluch der Fähigkeit zur Selbstreflektion, das ist alles.

Abschließend kann man noch sagen, dass ich dir weiterhin alles Gute wünsche, wäre auch blöd wenn nicht und du auf keinen Fall bleiben sollst wie du bist. Entwickele dich weiter, in welcher Weise auch immer. Außerdem könntest du wirklich ein paar Kilo abspecken, gern auch ein paar mehr, aber ich denke wir wissen beide das das ziemlich unwahrscheinlich ist.
Also auf weitere fünfundzwanzig Jahre und gerne auch fünfzig, aber das hat keiner von uns zu entscheiden.

Greetings Kazper

P.S. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige aufgrund einer Fremdschämattacke beim Lesen dieses Textes das Gesicht verzogen haben, aber dieser Egohymne war nötig und um der Arroganz die Krone aufzusetzten, ich finde sie lesenswert geschrieben.

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